Trump tauft KI am UN-Podium in 'Super Intelligence' um


Der Prasident der Vereinigten Staaten stand am Dienstag am Podium der Vereinten Nationen und benannte eigenmachtig ein ganzes Technologiefeld um. Nicht per Gesetz. Nicht per Exekutivanordnung mit rechtlicher Wirkung. Per Rede. Er verkurndete, dass von nun an samtliche US-Dokumente kunstliche Intelligenz als "Super Intelligence" bezeichnen wurden, weil das Wort "kunstlich" seiner Ansicht nach Intelligenz "unecht klingen" lasse.
Es war entweder die folgenreichste KI-politische Erklarung des Jahres oder reines politisches Theater ohne praktische Wirkung. Angesichts dessen, was noch am selben Tag bei der UN geschah, konnte es durchaus beides sein.
Was Trump wirklich sagte
"Von diesem Moment an werden alle Dokumente der Vereinigten Staaten, und hoffentlich auch der Welt, auf den viel genaueren Begriff umgestellt: Super statt kunstlich", sagte Trump vor den versammelten Staats- und Regierungschefs. "Also: Super Intelligence. Mit anderen Worten: Willkommen in der neuen Welt der Super Intelligence: SI."
Die Umbenennung war Teil einer breiteren UN-Rede, die von Iran uber die Ukraine bis zum Klimawandel reichte. Aber der KI-Abschnitt enthielt mehrere klare politische Signale, die uber die Namensanderung hinausgingen.
Trump wies Bedenken zu KI-Risiken als von "denselben Leuten" stammend zuruck, "die sagten, wir wurden in 12 Jahren alle an der globalen Erwarmung sterben: ein Name, der in Klimawandel umbenannt wurde, weil der Planet abkuhlte, nicht warm wurde, und niemand starb. Das sind dieselben Leute, die jetzt sagen, dass KI uns alle umbringen wird."
Er stellte die KI-Fuhrerschaft als ein Nullsummenspiel der geopolitischen Konkurrenz dar: "Wer SI gewinnt, gewinnt. Das ist die Gruppe, die gewinnt. Und wir liegen jetzt weit vor China."
Die globalistische Zuruckweisung
Trump lehnte jeden internationalen Rahmen fur KI-Governance explizit ab. "Die Vereinigten Staaten lehnen auch jeden Versuch ab, ein globalistisches Schema zur Kontrolle der kunstlichen Intelligenz zu konstruieren, von der jetzt so viel gesprochen wird", sagte er.
Damit stellte er sich in direkten Gegensatz zu einer separaten Initiative auf derselben UN-Veranstaltung: dem unabhangigen internationalen wissenschafltichen KI-Gremium, das erst einen Tag zuvor seine erste grose Bewertung veroffentlicht hatte und multinationale Koordination sowie die Anwendung des Vorsorgeprinzips forderte. Trumps Rede war ein klares Gegenargument zu der Idee, dass KI von internationalen Institutionen regiert werden sollte. Er stellte sich auf die Seite des wachsenden Blocks von Nationen, die argumentieren, dass KI-Fuhrerschaft ein souveranes Vorrecht und keine kollektive Verantwortung sei.
Das Justizministerium als Amerikas KI-Aufseher
Statt internationaler Aufsicht schlug Trump ein deutlich internales Durchsetzungsmodel vor. Er nannte das Justizministerium als primare KI-Regulierungsbehorde und wies darauf hin, dass es bereits in KI-bezogenen Fallen eingesetzt worden sei.
"Wir haben es bereits zu diesme Thema eingesetzt, und zwar sehr machtig", sagte Trump. "Alles hat sehr gut und sehr schnell geklappt, und andere Strafverfolgungsbehorden werden die Dinge in den Griff bekommen, wenn wir das tun mussen."
Die Anspielung bezieht sich vermutlich auf aktuelle DOJ-Masnahmen gegen KI-Unternehmen, darunter die laufenden Untersuchungen zu den Datenpraktiken von OpenAI und die kartellrechtliche Prufung der GPU-Marktdominanz von Nvidia. Aber Trump machte seine Prioritat klar: "Wir werden Super Intelligence nur fordern. Wir werden sie fordern, nicht eindammen. Wir werden sie genau im Auge behalten, durch das Justizministerium."
Der politische Widerspruch
Am selben Tag, an dem Trump die internationale KI-Aufsicht bei der UN ablehnte, berichtete Axios, dass die US-Regierung separat einen KI-Notruf-Hotline mit China vorgeschlagen hatte: einen direkten Kommunikationskanal zur Deeskalation KI-bezogener Bedrohungen, nach dem Vorbild von Heiße-Leitungen aus dem Kalten Krieg.
Der Widerspruch ist kaum zu ubersehen. Ein Arm der US-Regierung baut diplomatische Kanaele zur Pravention von KI-Konflikten, wahrend der Prasident jede Form multilateraler Regierungsfuhrung offentlich ablehnt. Der Hotline-Vorschlag deutet darauf hin, dass der nationale Sicherheitsapparat echte Risiken in der ungeregelten KI-Konkurrenz sieht. Trumps UN-Rede deutet darauf hin, dass die politische Fuhrung internationale Zusammenarbeit als Einschrankung amerikanischer Dominanz betrachtet.
Beide Positionen konnen nicht gleichzeitig wahr sein. Aber sie spiegeln eine echte Spannung im Herzen der US-KI-Politik wider. Die Regierung will die Vorteile der Koordination (Krisen-Hotlines, Unfallverhutung) ohne die Kosten (bindende internationale Regeln, Aufsichtsgreemien).
Hat die Namensanderung eine Bedeutung?
Die praktischen Auswirkungen der Umbenennung von KI in "Super Intelligence" in US-Dokumenten sind meist symbolischer Natur. Bundesbehorden werden ihre Styleguides aktualisieren. Die Website des Weißen Hauses wird die Terminologie austauschen. Aber der Rest der Welt ist nicht verpflichtet, diesem Beispiel zu folgen, und selbst innerhalb der US-Regierung ist eine strenge Durchsetzung der Namenskonventionen in Hunderten von Behorden unwahrscheinlich.
Doch die Symbolik ist bedeutsam. Indem Trump KI mit "Super Intelligence" verbindet, koppelt er die Technologie an seine breitere politische Erzahlung von amerikanischer Grose, Starke und Exzeptionalismus: denselben rhetorischen Rahmen, den er auf Handel, militarische Macht und Grenzsicherheit anwendet. Es verwandelt KI von einem technischen Feld in ein nationalistisches Projekt.
Und indem er das Wort "kunstlich" explizit ablehnt, greift er eine tiefere Verunsicherung uber KI auf, die durch die amerikanische Kultur verlauft: die Angst, dass von Maschinen produzierte Intelligenz keine echte Intelligenz ist, dass sie irgendwie gefalscht oder tauschend ist. Die Umbenennung in "Super" ist ein rhetorischer Kunstgriff, der versucht, diese Angst in Stolz umzukehren.
Wo die internationale KI-Debatte nun steht
Die UN hat 2026 damit verbracht, die Architektur fur globale KI-Governance aufzubauen. Das unabhangige internationale wissenschaftliche Gremium veroffentlichte seine erste Bewertung. Die Mitgliedsstaaten debattierten einen KI-Vertrag. Eine US-chinesische Notfall-Hotline wurde stillschweigend vorgeschlagen.
Trumps Rede macht nichts davon ungeschehen. Aber sie signalisiert, dass die grosste KI-Macht der Welt sich nicht an einer Governance-Struktur beteiligen wird, die ihren technologischen Vorsprung einschrankt. Fur kleinere Nationen, die gehofft hatten, die USA wurden beim Bau von Schutzgelandern helfen, ist die Botschaft klar: Amerika wird seine eigene KI bauen, zu seinen eigenen Bedingungen, und die internationale Gemeinschaft kann entweder folgen oder zuruckbleiben.
Ob "Super Intelligence" die "kunstliche Intelligenz" im globalen Sprachgebrauch ersetzen wird, hangt davon ab, ob Trump eine zweite Amtszeit gewinnt und ob die Umbenennung uber den aktuellen politischen Moment hinaus Bestand hat. Was bereits klar ist: KI-Governance ist zu einer Frage nationaler Souveranitat ersten Ranges geworden. Und die Debatte daruber, wie man sie nennen soll, ist nur die Oberflache eines viel tieferen Konflikts.
Quellen
- The Verge: "Trump says the US is officially renaming AI to 'super intelligence'" (https://www.theverge.com/ai-artificial-intelligence/998816/donald-trump-ai-super-intelligence)
- BBC: "Watch: Moment Trump rebrands Artificial Intelligence to Super Intelligence" (https://www.bbc.com/news/articles/c0qdd9klr7eo)
- Reuters: "Trump says US Justice Department could rein in AI companies if needed" (https://www.reuters.com/technology/trump-says-us-justice-department-could-rein-ai-companies-2026-09-22/)
- Politico: "Trump rejects global entity for AI oversight" (https://www.politico.com/news/2026/09/22/trump-ai-global-entity-oversight-reject)
- The Hill: "Trump says AI will be renamed 'super intelligence' in all US documents" (https://thehill.com/policy/technology/trump-ai-super-intelligence-rename/)
- Axios: "U.S. proposes emergency AI hotline with China" (https://www.axios.com/2026/09/22/us-china-ai-hotline-proposal)
- Scientific American: "Trump rejects AI regulation, citing parallels with climate change, in U.N. address" (https://www.scientificamerican.com/article/trump-rejects-ai-regulation-un/)
- Washington Post: "Trump says he is renaming AI to 'super intelligence'" (https://www.washingtonpost.com/technology/2026/09/22/trump-ai-super-intelligence/)