Die USA geben 5 Milliarden Dollar aus, um Wissenschaft zum KI-Projekt zu machen — und nennen es ein Manhattan-Projekt

Die US-Regierung hat gerade angekündigt, dass sie die amerikanische Wissenschaft nach dem Vorbild der künstlichen Intelligenz umgestalten will — und hat einen Mann ohne naturwissenschaftliche Qualifikation mit der Leitung beauftragt.
Am Donnerstag stellte die Trump-Administration die erste Runde ihrer "Genesis Mission"-Fördermittel vor: 5 Milliarden Dollar für hunderte KI-gesteuerte Wissenschaftsprojekte. Das Weiße Haus beschrieb das Vorhaben als "vergleichbar in Dringlichkeit und Ehrgeiz mit dem Manhattan-Projekt." Zur gleichen Zeit war Trumps Wissenschaftsberater Michael Kratsios auf dem Capitol Hill und bewarb ein "Neues Goldenes Zeitalter" der amerikanischen Wissenschaft — eines, das KI, Robotik und Kernenergie priorisiert und die Lebenswissenschaften systematisch zurückfährt.
Die beiden Ankündigungen, die von The Verge und über 20 weiteren Medien berichtet wurden, zeigen das bisher klarste Bild davon, wie die Regierung das 200-Milliarden-Dollar-Forschungssystem der USA neu ausrichten will.
Die Genesis Mission: 5 Milliarden für KI-zentrierte Wissenschaft
Die Genesis Mission ist kein einzelnes Förderprogramm. Sie ist eine regierungsweite Neuausrichtung der wissenschaftlichen Forschung in den USA. Mehr als 15 Bundesbehörden sind beteiligt, vom Energieministerium und NIH über die NASA bis zum Verteidigungsministerium. Die erste Förderrunde umfasst über 270 Projekte in allen 50 Bundesstaaten.
Das DOE hat allein 293 Millionen Dollar für KI-gesteuerte nationale Herausforderungen bereitgestellt. Japan ist der erste internationale Partner mit einer Milliarden-Zusage. Microsoft hat 60 Millionen Dollar beigesteuert. Das NIH hat sich mit einem biomedizinischen Forschungsvorstoß angeschlossen.
Das erklärte Ziel: Durchbrüche in Krebsforschung, Chipdesign, Quantencomputing, Kernfusion und modernen Materialien zu beschleunigen — Bereiche, in denen die USA befürchtet, hinter China zurückzufallen.
Der Wissenschaftsberater ohne Wissenschaftshintergrund
Michael Kratsios, der von Trump ernannte Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik (OSTP), hat keine formale Ausbildung in einer wissenschaftlichen Disziplin. Er ist ein ehemaliger Technologie-Manager und politischer Stratege mit Hintergrund in Venture Capital und Politik — nicht in Laboren oder Peer Review.
Doch Kratsios ist jetzt das öffentliche Gesicht der amerikanischen Wissenschaftspolitik. Am selben Tag, an dem die Genesis-Mission-Zuschüsse bekanntgegeben wurden, war er auf dem Capitol Hill und bewarb das, was Axios als "historische Neuausrichtung der Wissenschaft" bezeichnete — eine Verlagerung des Schwerpunkts von Universitäten hin zu Einzelforschern und privaten KI-Laboren.

Die Regierung hat gleichzeitig vorgeschlagen, 200 Milliarden Dollar von der Universitätsforschung in KI-gesteuerte Projekte umzuleiten. Kritiker bezeichnen dies als eine Demontage des Peer-Review-Systems, das die amerikanische Wissenschaft seit Jahrzehnten regiert.
Die Tech-Broifizierung der amerikanischen Wissenschaft
Der Verge-Reporter Robert Hart nannte die beiden Ankündigungen "die Tech-Broifizierung der amerikanischen Wissenschaft" — ein Begriff, der die kulturelle Spannung im Kern der Genesis Mission einfängt. Die Regierung feiert KI als Zukunft der Entdeckung, während sie systematisch die Institutionen und Methoden zurückfährt, die die Grundlagen für KI überhaupt erst geschaffen haben.
"Es ist eine fundamentale Wette, dass die Geschwindigkeit KI-gesteuerter Entdeckungen die Strenge der peer-reviewten, hypothesengetriebenen Forschung übertrifft", sagte ein ehemaliger OSTP-Beamter gegenüber Science Magazine.
Die Spannung zeigt sich in den Zahlen. Die 293 Millionen Dollar des DOE für die Genesis Mission stehen neben vorgeschlagenen Kürzungen bei NSF und NIH. Mehr als 200 Milliarden Dollar an Universitätsforschung werden umgelenkt.
Spaltung in der Wissenschaft
Die Wall Street feiert den Schritt. Aktien von Unternehmen mit Genesis-Mission-Aufträgen — darunter INFQ, HPE und WLY — stiegen nach der Ankündigung. Der Privatsektor sieht eine milliardenschwere Pipeline.
Die Wissenschaft ist skeptischer. Die American Association for the Advancement of Science hat Bedenken geäußert, dass die Verlagerung weg von peer-reviewter, neugiergetriebener Forschung hin zu "missionsorientierten" KI-Projekten, die von politischen Beauftragten ausgewählt werden, problematisch ist. "KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für die wissenschaftliche Methode", so ein AAAS-Fellow gegenüber Science|Business.
Das Weiße Haus setzt darauf, dass Geschwindigkeit und Größenordnung mehr zählen als institutionelle Prozesse. Ob die Genesis Mission ihre Manhattan-Project-Rhetorik einlöst — oder zur Warnung wird — wird die amerikanische Forschung für eine Generation prägen.
Quellen
- The Verge: The tech-broification of American science has officially begun
- Tech Times: Genesis Mission Selects First AI Research Cohort
- Science magazine: DOE's AI push squeezes funding for research grants
- Fierce Biotech: NIH joins Trump's $5B AI mission
- GeekWire: Microsoft commits $60M to Genesis Mission
- Moneywise: Trump shifts $200B from universities to AI
- FedScoop: Genesis Mission kicks off with over 270 projects
- Nikkei Asia: Japan, US to invest $1B in Genesis Mission
- Science|Business: New US plan for AI in science